Sonntag, 5. Dezember 2010

Schnee

Manchmal verstehe ich den Pater nicht. Aber soll mich das wundern? Jutta Hinterer sagt, nein. Denn schließlich ist Pater Nau ein Mann, wenn auch ein Pater. Jedenfalls hat es geschneit in Frankfurt. Ich liebe das ja. Wenn man morgens aus dem Fenster schaut und alles ist so schön weiß wie in einer Zuckerbäckerei. Aber das schönste ist, das alles so still ist. Haach.
Der Pater aber hat sich seine dicksten Stricksocken angezogen und verkündet, er würde erst im Frühling wieder das Haus verlassen. Der Schnee wäre kalt, die Straßen voller Eis, und er sich sicher, dass er hinstürzt und sich ein Bein bricht, sobald er das Haus verlässt.
Im Winter, so der Pater, sei die Erde nicht nur in Frevlerhand, sondern in eisiger Frevlerhand. Und die Erde ein weißes Jammertal und das Leben das kalte Grauen.
Also hockt er in seiner Studierstube, lädt Bruder Göck ein und nascht mit ihm alle Weihnachtsplätzchen schneller, als ich sie backen kann.
Jetzt muss ich auf den Markt. Ich brauche Mehl und Eier, Mandeln und Zucker, den ich in der Pulvermühle mahlen will, um neue Plätzchen zu backen.
Eigentlich mag ich die Feuerstelle in der Küche gar nicht so sehr heizen. Am Ende wird es so warm, dass der Schnee auf den Fensterbrettern schmilzt. 
Andererseits stimme ich mit Plätzchen den Pater friedlich.
Großer Gott, warum nur kann sich eine Frau nicht einfach freuen, ohne dass ihr dabei ein Mann in die Quere kommt? Das wüsste ich zu gern.

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