Gustelies Tagebuch
Sonntag, 5. Dezember 2010
Schnee
Montag, 29. November 2010
Pater Nau ist krank
Donnerstag, 21. Oktober 2010
Was die Leute immer so reden
Montag, 18. Oktober 2010
Gustelieses Blog
Die Zeit rast dahin wie ein Vierspänner, und mein Gedächtnis nimmt in derselben Geschwindigkeit ab. Jetzt haben wir schon den 18. Oktober im Jahre des Herren 1533.
Jetzt bin ich Großmutter geworden. Merkwürdig fühlt sich das an. Meine Hella war doch vor gar nicht langer Zeit selbst noch ganz klein. Und ich? War es nicht erst vorgestern, dass ich noch mit Reifen und Lumpenball gespielt habe, bis die Zöpfe mir um die Ohren flogen? War es nicht erst gestern, dass meine Eltern mir sagten, ich solle den Richter Kurzweg heiraten?
Ich habe es getan. Man tut nämlich, was die Eltern sagen. Zumindest war das zu meiner Zeit so. Und auch Hella hat sich in meinem Willen gefügt und den Richter Heinz Blettner geheiratet. Für eine Richterstochter ist ein Richtergatte die beste Partie. So nahe dran an der Obrigkeit, da kriegt man mit, was in Frankfurt so läuft. Außerdem braucht jeder Mann, der sich mit Criminalia beschäftigt, ein Weib, das ihm ein bisschen unter die Arme greift. Das habe ich mein Leben lang so gehalten bei meinem Richter, und Hella tritt Gottseidank in dieser Hinsicht in meine Fußstapfen.
Die Männer sind ja zu vielen Dingen gut zu gebrauchen, aber Criminalia sind nun mal Frauensache. Auch, wenn der Rat das anders sieht, und Hella und mich am liebsten von jedem neuen Fall so fern wie möglich halten würde. Aber manchmal eben fehlt den Männern doch so ein Fünkchen Einbildungskraft. Und schon gar, wenn in die Fälle Frauen verwickelt sind. So ein Mann denkt anders. Irgendwie nicht so sehr mit dem Herzen wie eine Frau. Da kann manch wertvoller Hinweis unter den Tisch fallen. Aber zum Glück sind wir ja da, Hella und Jutta Hinterer und ich.
Vielleicht war es zu Beginn nicht die große Liebe. Bei mir nicht, und bei Hella auch nicht. Aber die Liebe wächst mit ihren Aufgaben.
Also wird Hellas Liebe in den nächsten Zeiten gewaltig wachsen müssen, jetzt, wo sie zwei Kinder hat. Fedor und Floriane. Meine Güte, auf was für Namen die Leute heutzutage so kommen! Da kann ich nur den Kopf schütteln, und ganz Frankfurt mit mir.
Zu meiner Zeit war es so, dass die Kinder nach ihren Eltern und Paten hießen. Nix da mit diesem neumodischen Faxenkram. Hätte der Junge nicht nach Heinz heißen können? Oder meinetwegen noch nach Pater Nau? Aber nein, Fedor!
Und dann Floriane! Hat ein Mensch so was schon gehört? Foriane! Klingt in meinen Ohren ein bisschen nach Flohpulver.
Lieber Himmel, Flohpulver. Ich darf nicht vergessen, das einzukaufen, wenn ich nachher auf den Markt gehe. Seit mein Bruder Nau aus dem Verlies raus ist, wimmelt es in unserem Haus nur so vor Ungeziefer. Ich muss mich beeilen, sonst sind die besten Sachen weg! Die Leute heutzutage kennen ja keine Rücksicht mehr. Da wird gekauft und gekauft, und keiner fragt, ob die anderen auch etwas brauchen. Naja, darüber denke ich gründlicher nach, wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe.