Pater Nau war krank. Vier Wochen lag er danieder. Und gejammert und geklagt hat er wie ein bayerisches Klageweib. Sein letztes Stündlein nahe, hat er gewimmert. Bruder Göck solle mit den Sakramenten kommen. Das Leben sei ein Graus und die Erde ein Jammertal. Und überhaupt wäre die Welt in Frevlerhand. Noch nie hätte er solche Schmerzen erleidet. Warum nur prüfe ihn der Herr so. Selbst Jesus am Kreuz hätte weniger Qualen auszustehen gehabt.
Ruhig war er gerade nur, wenn ich ihm Lindenblütensud eingeflößt habe. Und für den Husten eine Mischung aus Honig und Thymian. Jeden Abend habe ich ihm die Brust mit heißem Butterschmalz eingerieben, darüber ein dickes Leinentuch und neben das Bett eine Schüssel mit Minze. Er hat geschwitzt und gerufen, jetzt wisse er, wie heiß das Höllenfeuer brenne. Wenn ich ihm einen Becher heißen Bieres gebracht habe, hat er aufgeschluchzt, die Hände gerungen und gefleht, der Herr solle ihn erlösen, dieses Gebräu stamme sicher direkt aus dem Fegefeuer.
Haaach, die letzten vier Wochen waren wirklich hart. Aber nun ist seine Erkältung ausgeheilt, aber ich frage mich, was geschieht, wenn ihn die Leiden des Alters anfallen? Wenn es im Kreuze zwickt und die Knie sich nicht mehr beugen lassen. Und - Herrgott verzeih mir - ob es nicht womöglich eine Alterskrankheit gibt, die ihm die Zunge an den Gaumen klebt.
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